Partner
Services
Statistiken
Wir
Hiss Golden Messenger: I'm People (Review)
| Artist: | Hiss Golden Messenger |
|
| Album: | I'm People |
|
| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Folk, Americana, Singer-Songwriter, Countryrock, Soul, Gospel, Folkpop, Blues |
|
| Label: | Chrysalis Records | |
| Spieldauer: | 44:56 | |
| Erschienen: | 01.05.2026 | |
| Website: | [Link] |
Schlechte Zeiten für Amerika, gute Zeiten für Americana: Die Mixtur aus Folkrock, Country, Soul, Gospel und Blues hat in diesem tristen Jahr des immer deutlicher zum Vorschein kommenden Trump-Faschismus erneut Hochkonjunktur. Man könnte als Singer-Songwriter nun lauter traurige, niederschmetternde Lieder anstimmen über das heruntergekommene "Land of the Free" und den schon lange verblassten "American Dream". Oder aber mit purer musikalischer Schönheit und kreativem Trotz reagieren, so wie MC Taylor alias HISS GOLDEN MESSENGER mit dem neuen Album "I'm People".
"Welche andere Wahl haben wir, als hoffnungsvoll zu sein?", fragt der dem in den USA attackierten liberalen Spektrum zugehörige Sänger und Gitarrist - und nähert sich damit einem Jeff Tweedy (Wilco), der sich im vergangenen Jahr, dem ersten von "Trump II", ähnlich zur Lage des Künstlers im aktuellen Amerika äußerte. Auf "I'm People" versucht Taylor, fünf Jahre nach dem melancholischen Meisterwerk "Quietly Blowing It" (seine Reaktion auf die bereits erschütternden ersten Trump-Jahre) und drei Jahre nach dem optimistischeren "Jump For Joy" (aufgenommen in der ruhigen Regierungszeit von Joe Biden) seine Sorgen und Nöte (und auch Hoffnungen) angesichts der ihm fremd gewordenen Heimat in Songs zu fassen.
Taylor, ein in so manchen Lebenskrisen gereifter Mittfünfziger aus North Carolina, setzt sich in seinen zwölf neuen Songs "mit Herzschmerz und Hochgefühlen und der absolut schwarzen Komödie des Lebens in Amerika im Jahr 2025 auseinander", schreibt sein Label Chrysalis Records. Die Texte von HISS GOLDEN MESSENGER pendeln zwischen Trauer und Schwermut, Fatalismus und "Muss-ja-irgendwie-weitergehen"-Aufbruchstimmung.
"Die Lieder auf 'I’m People' handeln davon, auf Dinge zuzustreben oder vor ihnen zu fliehen, von vernünftigen und realistischen Hoffnungen und Erwartungen, davon, Kinder zu bekommen, älter zu werden, von Liebe und Lust und Glück und Musik. Es sind Lieder über Einsamkeit und Liebeskummer und geistige Armut - und vielleicht auch über Gemeinschaft als eine Art Gegenmittel für diese besonderen Arten von Leiden", schreibt Taylor auf seiner Website. Das schafft er über noble, warmherzige, diesmal freilich auch besonders melancholische Texte, die ihn als einen der großen Americana-Songpoeten unserer Zeit ausweisen.
Musikalisch setzt Taylors um viele prominente Gäste erweitertes Bandprojekt HISS GOLDEN MESSENGER die ambivalente Stimmung der Lyrics in zwölf erhabenen, prächtigst arrangierten und produzierten Folkrock- und Countrysoul-Kompositionen um. Wie schon früher (und das ist der einzige Knackpunkt bei dieser Platte - man kennt den Sound inzwischen halt schon ziemlich gut) lauten die Stil-Koordinaten: Bob Dylan & The Band, Van Morrison (besonders schön in "Mercy Avenue"), Little Feat, Otis Redding, The Jayhawks, Lambchop, Wilco, Richmond Fontaine und The Delines - alles nur vom Feinsten.
Das Album wurde in Dreamland aufgenommen, einer stillgelegten Kirche außerhalb von Woodstock bei New York. "Ich wollte, dass das Album das Gefühl dieses Ortes im Hinterland vermittelt - (...) ein Ort der Poesie, der Erde, des Himmels und der Berge", sagt Taylor. Neben der Kern-Band um ihn selbst an diversen Instrumenten, Cameron Ralson (Bass), Josh Kaufman (Gitarre) und JT Bates (Schlagzeug) sind auf der Platte unter anderem Bruce Hornsby, Sam Beam (Iron & Wine), Marcus King, Sara Watkins, Amy Helm, Eric D. Johnson (Fruit Bats) sowie Griffin und Taylor Goldsmith (Dawes) zu hören, produziert haben Taylor selbst und Josh Kaufman (Bonny Light Horseman).
"I'm People" ist eine tiefschürfende, berührende, tröstliche Platte - ein kluges Album, das mehr Fragen zum gefährlich schwankenden, erratischen Amerika von heute stellt als Antworten zu geben. Taylor fühlt aber auch Dankbarkeit, in diesem ersten Jahr von "Trump II" mit so vielen guten Freunden kreativ unterwegs gewesen zu sein: "Ich bin dankbar, dass ich mit meinen Freunden solche Musik machen darf. Das war 2025 so wichtig, da sich alles anfühlte, als stünde es in Flammen."
Und jetzt - wie geht's weiter? Das fragt der Singer-Songwriter im fabelhaften, gospeligen Pianopop-Closer "Depends On The River" und in den Liner-Notes dazu. Antwort: "We simply can't know. It depends on the river." Hoffen wir das Beste für gute Amerikaner wie MC Taylor. Mit HISS GOLDEN MESSENGER und "I'm People" hat er es nun seinerseits geschafft, etwas Hoffnung zu verbreiten.
FAZIT: Zuverlässig gut ist der US-Songwriter MC Taylor auch mit dem neuesten Album seines Americana-Bandprojekts HISS GOLDEN MESSENGER. Man kennt diesen Sound inzwischen zwar schon etwas länger, große Überraschungen bleiben bei der gediegenen, zeitlosen Mixtur aus Folkrock, Country, Soul, Gospel und Blues insofern aus. "I'm People' funktioniert dennoch wieder über eine in den Arm nehmende Mischung aus Schönheit und Schwermut, Herzschmerz und Hochgefühl in Texten und Musik. Am Ende dieser Platte fühlt sich der Hörer hoffnungsvoller als eine Dreiviertelstunde davor. Keine geringe Leistung.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- In The Middle Of It
- Who You Gonna Run To?
- Shaky Eyes
- Mercy Avenue
- I'm People
- Seneca (Time Is A Mother, Baby)
- Last Orders
- Gabriel
- Heavy World
- Alright And Then Some
- Spirit Cat
- Depends On The River
- Bass - Cameron Ralston, Josh Kaufman
- Gesang - MC Taylor, Eric D. Johnson, Taylor Goldsmith, Griffin Goldsmith, Gillian Pelkonen, Sam Beam, Sara Watkins, Amy Helm, Sonya Turner, Marcus King
- Gitarre - MC Taylor, Josh Kaufman
- Keys - MC Taylor, Bruce Hornsby
- Schlagzeug - JT Bates
- Sonstige - Matt Douglas (Saxophon, Flöte), Josh Kaufman (Mandoline), Duncan Wikel (Fiddle)
- Quietly Blowing It (2021) - 12/15 Punkten
- Jump For Joy (2023) - 13/15 Punkten
- I'm People (2026) - 12/15 Punkten
-
keine Interviews
Kontakt
