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The Blow Monkeys: Birdsong (Review)

Artist:

The Blow Monkeys

The Blow Monkeys: Birdsong
Album:

Birdsong

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Soulpop, Funk, 80s-Pop, Jazzpop, Sophisticated-Pop, Seventies-Soul, Britpop

Label: Creation Youth
Spieldauer: 39:18
Erschienen: 29.08.2025
Website: [Link]

Vor ein paar Jahren hatte ich die schöne Gelegenheit, für dieses Online-Magazin mit Robert Howard alias Dr. Robert einen Pop-Helden meiner Jugend (lang lang ist's her, es waren die 80er) zu interviewen. Der würdevoll gealterte, weiterhin extrem eloquente Musiker promotete 2023 ein üppiges Re-Issue des erfolgreichsten Albums seiner Band THE BLOW MONKEYS, "Animal Magic“ von 1986. Und kam irgendwann auf das Studio- und Live-Comeback dieses Soulpop-Quartetts von 2008, nach 15 Jahren Pause, zu sprechen: 

"Wir hatten diese gemeinsame Geschichte – warum sollten wir es nicht nochmal versuchen? Wir wollten aber neue Musik, neue Platten machen, denn ich hatte keine Lust, nur ein Nostalgie-Act zu sein. Natürlich spielen wir jetzt auch noch ein paar alte Songs, aber wir haben inzwischen sechs neue Alben aufgenommen. Alles ganz organisch, in Ruhe gewachsen – kein Bullshit. Einige dieser Alben gehören zu meinen besten." Mittlerweile ist mit "Together/Alone" (2024) ein siebtes Post-Reunion-Album der BLOW MONKEYS hinzugekommen, und nun erscheint mit "Birdsong" sogar Nummer acht. Und tatsächlich: auch weiterhin "kein Bullshit".


Schon der Opener erzeugt Gänsehaut. Da sind sie gleich wieder - diese erhebenden Streicher, dieses jazzige Saxophon, diese seidigen Vocals zwischen David Bowie und Marc Bolan, dieser treibende Groove. Kurzum: Musik, die einen in der Zeitmaschine um knapp 40 Jahre zurückbefördert. In eine Ära von britischem Pop, der elegant und kämpferisch zugleich war, der taufrisch und dennoch souverän kenntnisreich klang. Als The Style Council, Swing Out Sister, Sade, Alison Moyet und Everything But The Girl sich mit ihren so smarten wie tanzbaren Jazz-Pop-Funk-Soul-Songs weit oben in den Charts platzierten. 

Und natürlich THE BLOW MONKEYS, die weiterhin einfach großartig sind. Der eingangs beschriebene Song heißt "The Penny Drops" und erinnert mit den genannten Ingredienzen ungeheuer charmant an "Digging Your Scene" (1986) oder "It Doesn’t Have to Be This Way" (1987), die Eighties-Hits der Band um den schönen, klugen Sänger und Songwriter Dr. Robert. Wie cool dieses Quartett seit dem Neustart vor 17 Jahren immer noch drauf ist, wie viel Lust es auf "good old funky music" hat, stellt es anschließend auch mit dem Titelstück unter Beweis. Das klingt ein bisschen nach James Brown, aber eben mit der geschmeidigen Stimme eines weißen Engländers - weniger verschwitzt, vielmehr "sophisticated" (wobei dies ein Begriff ist, den der BLOW MONKEYS-Frontmann für seinen Sound nicht besonders mag).


"Walk On, Nothing is Lost" drückt eher aufs mittlere Tempo, während "Long Lost Child" wieder mit Sax, Funk-Gitarre und Disco-Strings ein behagliches 70er-Jahre-Club-Feeling erzeugt. Schon nach diesen vier Songs hat man den Eindruck, dass "Birdsong" das stärkste, weil rhythmisch avancierteste Album der BLOW MONKEYS seit ihrem Comeback werden könnte. 

Und diese Einschätzung bestätigt sich ohne weiteres, selbst wenn die Gründungsmitglieder Dr. Robert (Gesang, Gitarre), Neville Henry (Saxophon) und Mick Anker (Bass) sowie Crispin Taylor (Schlagzeug) und die formidablen Gäste Mick Talbot (The Style Council, Dexys), Gina Foster und Steve Sidelnyk mit der prächtigen Ballade "Giving Up The Ghost" zunächst einen Gang herunterschalten. "Shadowplay" geht dann aber gleich wieder in die Vollen und ruft Erinnerungen an House-Songs weißer Sänger in den späten 80ern wach - ein gewisser Dr. Robert war seinerzeit mit der Hit-Single "Wait" ganz vorn dabei.


"Rivers To The Soul" groovt eher entspannt, mit lässigen Reggae-Anleihen und mächtigem Bass. "All At Sea" im Sixties-Soul-Modus und der erneut dezent housige Popsong "Running From Love", in dem Dr. Robert seine nach wie vor tolle Stimme locker ins Falsett hochtreibt, leiten das Album auf die Zielgerade. Mit "This Fleeting House" haben THE BLOW MONKEYS fürs Finish eine Barockpop-Ballade im Stil des jungen Scott Walker parat. Ein krönender Abschluss für das formidable erste "Spätwerk" dieser Band, für eine Platte, die gleichermaßen nostalgisch und zeitgemäß klingt.

"Birdsong" ist - nach dem zwischenzeitlichen Ausflug zu Last Night From Glasgow (LNFG) mit dem ebenfalls sehr guten "Together/Alone" (2024) und dem Britfolk-Glampop-Album "The Instant Garden" (2025) von Dr. Robert & Matt Deighton - die erste BLOW MONKEYS-Platte für Creation Youth, das britische Indie-Label von Alan McGee und Killing Joke-Bassist Martin "Youth" Glover. Die Songs wurden in Paul Wellers Black Barn Studios eingespielt. "Alan bat mich, einen 'brillanten BLOW MONKEYS-Song' zu schreiben und aufzunehmen. Ich wusste, was er meinte", sagt Howard, inzwischen 64 Jahre alt. "Die Songs sprudelten nur so aus mir heraus, fast ohne Anstrengung, was immer ein gutes Zeichen ist. Es ist ein sehr peppiges Album, und das ist auch so gewollt.“


Und McGee (immerhin Entdecker von Britpop-Ikonen wie Oasis, Primal Scream oder My Bloody Valentine) fügt hinzu: "Das Album (...) ist genauso gut wie alles, was Dr. Robert damals gemacht hat. Es ist die Originalbesetzung bis auf den Schlagzeuger, daher hat es diesen einzigartigen Sound, der unverkennbar für die BLOW MONKEYS ist. Ich liebe diese Band!" Wir auch.

FAZIT: Klar, THE BLOW MONKEYS machen auch Musik für Eighties-Nostalgiker. Aber dabei bleibt es zum Glück nicht. Die zehn neuen Songs sind souverän in die Band-Geschichte eingebettet, klingen aber zu keiner Zeit altbacken-behäbig. Dieses Quartett wird bestimmt nie auf den 80s-Revival-Zug mit grauenhaft peinlichen "Damals war alles besser"-Konzerten aufspringen. Dagegen spricht nun auch wieder "Birdsong" - das beste Album von Dr. Robert und Co. seit ihrem Comeback. Mindestens.

Werner Herpell (Info) (Review 103x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • The Penny Drops
  • Birdsong
  • Walk On, Nothing Is Lost
  • Long Lost Child
  • Giving Up The Ghost
  • Shadowplay
  • Rivers To The Soul
  • All At Sea
  • Running From Love
  • This Fleeting House

Besetzung:

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