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Julia Cumming: Julia (Review)
| Artist: | Julia Cumming |
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| Album: | Julia |
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| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Singer/Songwriter, Classical Westcoast, Jazz- & Art-Pop |
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| Label: | Partisan Records | |
| Spieldauer: | 36:18 | |
| Erschienen: | 24.04.2026 | |
| Website: | [Link] |
Auch wenn das Album "Julia" das Solo-Debüt der New Yorker Musikerin Julia CUMMING ist, bedeutet das nicht, dass es sich um das Werk einer Nachwuchskünstlerin handelt, denn bereits als Frontfrau und Bassistin des New Yorker Glam-Rock-Trios SUNFLOWER BEAM brachte es Cumming zu einiger Bekanntheit und veröffentlichte seit 2013 vier Alben. Die Entscheidung, zusätzlich zu ihrer Karriere als Bandmusikerin und ihren Rollen als Model, Schauspielerin sowie politische Aktivistin auch noch jene einer Solo-Künstlerin anzustoßen, entstand aus dem Gefühl der Enttäuschung mit den Mechanismen des Musikbusiness heraus - und dem Wunsch, eine Art von selbstbestimmter, autonomer Musik machen zu können, die von ihren eigenen Ansprüchen bestimmt wird und nicht von marketingorientierten Erwartungshaltungen.
Bis dahin hatte Julia CUMMING stets im Bandkontexte gearbeitet - sowohl mit SUNFLOWER BEAM wie auch mit ihrer ersten Band SUPERCUTE!. Hierbei legte sie eine stetig wachsende Expertise als Songwriterin an den Tag, die es ihr ermöglichte, im Laufe der Zeit en passant eine Sammlung von komplexen und ambitionierten Songs anzusammeln, die mit Glam-, Kook- und Drama-Rock (der Expertise von SUNFLOWER BEAM) nichts mehr zu tun hatten und demzufolge für das Bandprojekt keinesfalls geeignet erschienen.
Um die Vision, ihre Geschichte mit einer Reihe konfessioneller und autobiographischer Songs in einem ihr genehmen Setting musikalisch umsetzen zu können, entschied sie sich dafür, sich mit BRIAN ROBERT JONES zusammenzutun und das Album nicht in New York (wo die Songs geschrieben wurden), sondern in Los Angeles zu produzieren (wo sie mit JONES dann ausgearbeitet wurden).
Auslöser hierfür war, dass sie sich für dieses Album musikalisch von dem klassischen Westcoast-Sound der 70er-Jahre inspirieren lassen wollte. Ihr Vater ist zum Beispiel ein BURT BACHARACH-Biograf, mit dessen Arbeiten sie bestens vertraut war, weswegen sie sich musikalisch, songwriterisch und performerisch dafür entschied, sich von ihren Idolen wie CAROLE KING, NEIL DIAMOND, CARL SIMON, JONI MITCHELL, wohl auch STEELY DAN und vor allen Dingen BRIAN WILSON - auf dessen Song "Busy Doing Nothing" von dem Album "Friends" sie sich in ihrem eigenen Song "Please Let Me Remember This" auch musikalisch bezieht (man achte hier nur mal auf die einleitende Orgel-Sequenz), leiten zu lassen.
Julia CUMMING geht so weit, dass sie behauptet, dass sich ihr ihre Idole schon beim Schreiben der neuen Songs offenbart haben, sodass sie sich direkt von diesen inspirieren und leiten ließ. In Zusammenarbeit mit BRIAN ROBERT JONES, Produzent und Tontechniker CHRIS CODY und nicht zuletzt einer Band aus gewieften Studio-Cracks, zu der auch der Gitarrist NICK ZINNER von den YEAH YEAH YEAHS als Gast gehörte, entstand so ein Album, das den bisherigen Rahmen von Julia CUMMINGS musikalischem Tun schlicht sprengte - und in eine ganz andere Richtung zielt.
Mit Rockmusik hat das Ganze nichts mehr zu tun (sieht man von einigen Schlenkern Zinners in den Songs "Fucking Closure" und "Do It All Again" ab). Stattdessen gibt es den klassisch Westcoast-Sound der 70's - und zwar den von der musikalisch opulent und orchestral ausgerichteten sowie komplex strukturierten Sorte, wie ihn eben auch die genannten Referenz-Künstler präferierten. Satte, soulige Bass-Grooves, flirrende Synthesizer, erdige Piano-Sounds, jazzige Harmonien, akustische Rhythmusgitarren, eine Prise Psychedelia und Tropicalia und voluminöse Gesangsarrangements stehen dabei im Zentrum und lassen die Traditionen des goldenen Zeitalters der organischen Studioproduktionen wieder aufleben; die ganz im Zeichen des spielfreudigen Miteinanders versierter Musiker stand und nicht in der produktionstechnischen Nachbearbeitung.
Dabei belassen es Julia CUMMING und ihre Mitstreiter aber nicht beim Zitieren und Referenzieren, sondern schaffen es - scheinbar mühelos - die Ästhetik der 70er-Jahre in die Jetztzeit zu übertragen und für ein heutiges Publikum interessant zu machen - und dabei Julia CUMMING als Interpretin und Vokalistin zugleich deutlich mehr Raum zur Entfaltung zu bieten, als das im Zusammenhang mit Rock- und Psychedelia-Sounds möglich gewesen wäre. "Retro" klingt das Album nur in dem Sinne, als dass es nicht auf aktuelle Trends, Sounds, Effekte und Formate setzt.
Inhaltlich beschäftigt sich Julia CUMMING mit Erinnerungen - und zwar den eigenen wie auch Erinnerungen im Allgemeinen und wie sich diese im Laufe der Zeit in ihrer Bedeutung verändern können. So erzählt sie mit einer gehörigen Offenheit und Ernsthaftigkeit, aber auch einer gewissen Selbstironie, ihre eigene Geschichte auf dem Weg zur künstlerischen Selbstbestimmung. Das ist dann eine konfessionelle Entdeckungsreise auf höchstem Niveau, die auch für den Zuhörer leicht nachzuvollziehen ist. Gleich der Opener "My Life" setzt hier Maßstäbe in Sachen eines aus einer gewissen Verletzlichkeit heraus entstandenen künstlerischen Empowerments. Gleich in mehrerlei Hinsicht ist "Julia" so das bislang konzeptionell schlüssigste und musikalisch überzeugendste und lohnenswerteste Album des bisherigen Musikjahres geworden.
FAZIT: Mit ihrem Solo-Debüt-Album "Julia" schlägt die New Yorker Songwriterin Julia CUMMING nicht nur einfach ein neues musikalisches Kapitel für sich auf, sondern ist dabei auf der künstlerischen Ebene sogar so erfolgreich, dass sich die Frage stellt, ob sie wohl je wieder zu ihrem bisherigen Kerngeschäft als Bandmusikerin zurückkehren wird oder mag. Nötig hätte sie das eigentlich nicht - denn an diesem Album gibt es schlicht nichts Wesentliches zu kritisieren.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- My Life
- Revel In The Knowledge
- Hollywood Communication
- Please Let Me Remember This
- Emotional Labor
- Ruled By Fear
- Fucking Closure
- I Dream Of A Fire That Stays Burning When Nobody Tends To It
- Do It All Again
- Spunds Of A Secret
- Forget The Rest
- Bass - Brian Robert Jones
- Gesang - Julia Cumming
- Gitarre - Brian Robert Jones, Nick Zinner
- Keys - Julia Cumming, Roger Joseph Manning Jr.
- Schlagzeug - Garret Ray
- Julia (2026) - 14/15 Punkten
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